Neue Prüfungen Sportbootführerschein
Nun ist es soweit. Der Bundestag hat am 26. Januar 2012 die Reform der Sportbootführerscheinprüfungen beschlossen. Auch wenn im Zuge der Reform die Führerscheinpflicht für Boote bis 15 PS entfallen soll – wann dies umgesetzt wird, ist noch offen – hat die Reform für Prüflinge auch nicht nur Vorteile.
Segeln lernen – ab dem 1. Mai 2012 Multiple Choice-Prüfung
Ab dem 1. Mai 2012 werden die Antworten in den Prüfungen nicht mehr ausgeschrieben, sondern nur noch angekreuzt. Es ist dann auch nur eine der vier Antwortmöglichkeiten richtig. Dies klingt zunächst nach einer starken Vereinfachung der Prüfung. Schaut man sich die Prüfungsbedingungen einmal genauer an, ist allerdings eher das Gegenteil der Fall. Die Materie muss man sehr genau beherrschen, um die Unterschiede in den Antwortmöglichkeiten zu verstehen. Oft sind diese mehrere Zeilen lang und unterscheiden sich nur durch wenige Wörter. Außerdem sind die falschen Antworten oft richtige Antworten, nur bei anderen Fragen.
Segeln lernen– einfach die Fragen lernen geht nicht
Auch wenn der Fragenkatalog nun 55 Fragen weniger beinhaltet, heisst dies nicht, dass weniger gelernt werden muss. Die Fragen sind im neuen Fragenkatalog sehr stark auf Fachbegriffe ausgerichtet. Nur wer diese versteht und die Unterschiede sehr genau kennt, wird in der Prüfung schnell genug sein. Der Lernumfang verringert sich mit der neuen Prüfung also nicht.
Segeln lernen – schwerere Navigationsaufgaben
Bisher waren die Navigationsaufgaben in der Prüfungen für die meisten Prüflinge keine große Hürde. Nun verdreifacht sich allerdings die Anzahl der Aufgaben von drei auf neun und der Schwierigkeitsgrad steigt ähnlich an. Es muss immer noch per Hand – mit Bleistift – in der Seekarte navigiert werden, aber durch die vielen Aufgaben ähnelt die Prüfung nun den Navigationsaufgaben für den SKS-Schein – in der SKS-Prüfung dauert die Navigationsprüfung 90 Minuten.
Auch wenn Navigationssystem auf Booten fast so schnell ausbreiten wie in Autos, spielt diese Art der Navigation für den Gesetzgeber in der Prüfung keine Rolle.
Segeln lernen – weniger Zeit für die Prüfung
Bisher hatte man 75 Minuten um alle Aufgaben in der Theorieprüfung zu lösen. Da die Navigationsaufgabe meist nur 5 Minuten gedauert hat, blieb noch genug Zeit für die Fragen aus dem Fragenkatalog. Mit der neuen Prüfung ändert sich auch dies. Anstatt von 75 Minuten, sind es jetzt nur noch 60 Minuten. Die Navigationsaufgabe ist nun nicht mehr in 5 bis 10 Minuten zu schaffen – zwischen 20 und 30 Minuten ist realistisch. Es bleiben also nur 30 bis 40 Minuten um 30 Fragen und 120 Antwortmöglichkeiten sehr genau zu lesen. Das wird eine enorme Herausforderung für viele Prüflinge.
Segeln lernen – keine mündliche Nachprüfung mehr
Viele Prüflinge konnten bisher in der mündlichen Nachprüfung ihre Prüfung doch noch bestehen. Diese Möglichkeit gibt es mit der neuen Prüfungsordnung nicht mehr. 80% aller Fragen müssen richtig beantwortet werden. Beide Prüfungsteile – Fragebogen und Navigationsaufgabe werden getrennt bewertet. Wer also einen Teil nicht besteht, muss beide Teile wiederholen.
Segeln lernen – für Prüfer kein Spielraum mehr
Heute hat der Prüfer bei der Bewertung der Antworten einen Bemessungsspielraum. So können zum Beispiel Teilpunkte vergeben werden, wenn nicht alle Teile der Antwort richtig beantwortet sind. Auch Skizzen sind als Antworten oft zugelassen. Mit der neuen Prüfungsordnung wird sich dies grundlegend ändern. Da die Antworten nur noch angekreuzt werden, bleibt der Prüfern bei der Bewertung keinerlei Spielraum – die Antwort ist entweder richtig oder falsch.
Segeln lernen – die Praxis sollte wichtiger werden
Mit der Reform sollte die praktischen Prüfung wichtiger und schwieriger werden. Geändert hat sich hier allerdings nicht viel. Bisher wurde entweder das Ablegen oder das Anlegen geprüft – mit der neuen Prüfung ist nun beides Pflicht. Für die Prüflinge ändert sich also nichts, da bisher nicht bekannt war, welches Manöver zu fahren ist, musste sowieso beides geübt werden. Die Prüflinge müssen darüber hinaus einen weiteren – sechsten – Knoten in der Prüfung vormachen.
Segeln lernen Binnen – weniger Fragen
Der Fragenkatalog für die Prüfung zum Segelschein Binnen schrumpft bald von 400 auf 300 Fragen. Wer die Materie kennt weiß, dass der Fragenkatalog beim Segelschein Binnen viel kleiner ist als beim Segelschein See. See und Binnen unterscheiden sich heute vor allem dadurch, dass in der Seeschein-Prüfung jedes Thema mit einer Frage abgehandelt wird, während in der Binnen-Prüfung zu jedem Thema drei, vier fünf oder mehr Fragen existieren. Der Lernumfang ändern sich also nicht.
Segeln lernen – keine Vorschriften für die Ausbildung
Auch zukünftig wird es keine Regulierung bei der Ausbildung geben wird. Wie sich ein Prüfling auf die Prüfung vorbereitet – per Online-Kurs, Buch oder klassischen Lehrgang –, bleibt ihm überlassen. Auch bei der praktischen Ausbildung werden weder Pflichtstunden eingeführt noch ein Ausbildungsnachweis. Die Ausbildung wird also nicht teurer.
Segeln lernen – beachte die Übergangsregelung
Wer die Prüfung nicht mehr vor dem 1.5.2012 ablegen kann, wird auf Antrag noch nach alter Fassung geprüft – aber nur bis zum 31.7.12 und auch nur wenn der Prüfungsantrag vor dem 1.5.12 gestellt wurde und der Prüfungstag genau angegeben wird. Der Prüfungstag kann danach nicht mehr verschoben werden.
Segeln lernen – auch zukünftig am besten per Online-Kurs
Der neue Online-Kurs für den Sportbootführerschein See wird im Februar verfügbar sein. Dann kann sich jeder sein eigenes Bild machen und sich frei entscheiden. Der Online-Kurs für den Binnenschein wird voraussichtlich im April fertig.



