Segellexikon

AC 75

Bootsklasse, mit der seit 2021 um den America's Cup gesegelt wird. Auch der 38. America's Cup 2027 vor Neapel wird mit AC 75 gesegelt, mit acht Mann an Bord: ein Steuermann (er ist der Skipper), ein Taktiker, ein „Lotse“, der die Tragflügel trimmt, ein Segeltrimmer und vier Grinder. Die Grinder erzeugen – jetzt wieder mit Armen statt mit Beinen – die zum Trimmen von Foils und Segeln benötigte Wattleistung.
Ein AC 75 ist ein foilender Monohull von 75 Fuß (22,86 m) Gesamtlänge und 68 Fuß (20,70 m) Rumpflänge. Er wiegt zwischen 6.450 und 7.800 kg und wird von 8 Mann Besatzung gesegelt. Die Segelflächen betragen 145 qm (Großsegel), 90 qm (Genua) und 200 qm (Gennaker) bei 26,50 m Masthöhe.
Als Tragflügel dienen zwei seitlich neben dem Rumpf in umgedrehter T-Form angebrachte Foils, die auch Ballast enthalten, sowie ein mittschiffs platziertes T-Ruder. Gesegelt wird immer nur auf dem Foil in Lee, der Foil in Luv wird nach jedem Manöver sofort aus dem Wasser gehoben und vergrößert mit seinem Ballast die Stabilität. So segeln die AC 75 wie Trimarane, bei denen nur der Schwimmer im Lee im Wasser ist. Sie sind nicht nur schneller als die AC 50 aus 2017, sondern auch als die Katamarane AC 72, mit denen bereits bis zu 50 kn Fahrt erreicht werden konnte.
Eine echte Neuheit waren 2021 die drehbaren Masten mit einem D-förmigen Profil, an deren Ecken zwei Großsegel in zwei Nuten gefahren wurden. Dadurch wurden die Verwirbelungen am Mast nahezu vollständig unterbunden, sodass sich die effektive Segelfläche deutlich vergrößerte. Der Mast wurde Teil des Segels.
Neu waren zudem Großsegel ohne Großbaum. Es ist nicht bekannt, wie dies technisch realisiert wurde, vielleicht durch die untersten Segellatten. Das Unterliek liegt auf Deck auf, sodass der Wind nicht vom Großsegel unter dem Baum her nach Lee entweichen kann. Das steigert den Vortrieb deutlich. Natürlich liegt auch das Unterliek der Genua auf Deck auf.